Welchen Einfluss hat die Neogröße auf die Physiologie?

Die Forschungsgruppe um Prado et al. (2017) geht dem Interesse nach die Mortalität bei Triathlon besser zu verstehen. Berichten zufolge liegt diese bei 1.5 zu 100.000 pro Teilnehmer. Beim Marathon liegt diese bei 0.8 zu 100.000 pro Teilnehmer. Auffällig beim Triathlon ist, dass der größte Anteil der Mortalität während der Schwimmeinheit (beim Event) passiert.

Zwischen den Jahren 2003 und 2011 wurden 43 Fälle dokumentiert. 30 davon beim Schwimmen, also ca. 70%. Hierbei ist es unklar, ob Triathlonerfahrung, Schwimmerfahrung, Schwimmstarttyp (Massenstart, Time-Trail etc.), Schwimmlänge oder das Alter mit in Beziehung stehen können. Nach einer Autopsie in der Studie von Harries et al. konnte immer wieder festgestellt werden (Evidenzbericht), dass diese Athleten Herzabnormalitäten aufwiesen. Moon et al. geht davon aus, dass das Eintauchen eines pulmonalen Ödem (Lungenödem) eine Ursache beim Schwimmen sein kann. Gerade beim Triathlon ist es typisch, dass bei Wettkämpfen mit Freiwasser das Tragen eines Neoprenanzugs (kurz Neo) bei bestimmten Temperaturen erlaubt ist und auch Vorteile mit sich bring z. B. bezogen auf die Schwimmleistung und die Thermoregulation. Jedoch steht in den Guidelines der Hersteller nichts genaues über die richtige Größenauswahl für den Athleten drin. Weiterhin wird in einem medizinischen Bericht den

Athleten sogar ein „möglichst enger Neo“ empfohlen um das Sterberisiko zu verringern. Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung des Blutdrucks sowie der HRV (Herzfrequenzvariabilität) bezogen auf die unterschiedliche Neogröße.

Beide Parameter sind einfach zu messen. Beim Blutdruck (Omron R7) liegt ein Bluthochdruck vor, wenn der systolische Wert > 200 mmHg und oder der diastolische Wert > 110 mmHg liegt. Bei der HRV (Polar RS800CX) wurden die HF (High Frequenz), LF (Low Frequenz) sowie deren Verhältnis zueinander gemessen. Weiterhin sah die Methodik wie folgt aus:

  • diese Parameter wurden bei 12 männliche Probanden gemessen
  • es lagen 4 verschiedene Neogrößen vor (Small medium tall, medium, medium tall, medium large) – 4mm dicke
  • es wurde in Ruhe im Stehen und in Ruhe im Liegen gemessen
  • Gemessen wurden 6 Bedingungen: Position – Stehen / Liegen sowie Neo-Bedingung – kein Neo (NWS) / kleinster Neo (SWS) / größter Neo (LWS)

Ergebnis:

Beim MAP (mittlerer arterieller Druck) gab es keinen Unterschied in der Interaktion zwischen Position und Neo-Bedingung. Jedoch konnte ein Unterschied in der Gruppe der Neo-Bedingung festgestellt werden (NWS zu SWS). Zwischen NWS und LWS gab es keinen Unterschied.

Auch der systolische Blutdruck (SBP) war nicht in der Interaktion zwischen Position und Neo-Bedingung beeinflusst, jedoch wieder in der Gruppe der Neo-Bedingung. Dieser war bei SWS größer als bei NWS. Zwischen NWS und LWS gab es keinen Unterschied.

Der diastolische Blutdruck (DBP) wurde weder in der Interaktion noch in der Gruppenbetrachtung beeinflusst.

Der RPP (Rate Pressure Product) wurde weder in der Interaktion noch in der Gruppenbetrachtung der Neo-Bedingung beeinflusst. Nur in der Positionsänderung gab es eine Beeinflussung. Im Liegen war der RPP geringer als im Stehen.

Der HF Wert zeigte auch keine Beeinflussung in der Interaktion sowie in der Neo-Bedingung.  Jedoch konnte eine Beeinflussung in der Position gefunden werden, bei der die HF im Stehen geringer als im Liegen war.

Der LF Wert zeigte wie der HF Wert in der Interaktion und Neo-Bedingung keinen wesentlichen Unterschied. Nur in der Position konnte auch hier eine Beeinfluss gemessen werden. Der LF Wert war im Stehen größer als im Liegen.

Die LF/HF Ratio wurde nicht in der Interaktion sondern in den einzelnen Gruppen beeinflusst. In der Neo-Bedingung war das Verhältnis bei SWS geringer als bei NWS. In der Position war das Verhältnis während des Stehens größer als beim Liegen. Zwischen LWS und SWS gab es hier keine sig. Unterschiede.

SDNN wurde in keiner Interaktion noch Neo-Bedingung oder Positionsveränderung beeinflusst.

Limitierung:

  • es wurden nur Männer gemessen, eine Analyse mit Frauen fehlt
  • Neogrößen: Körperkomposition und Körpertyp (mesomorph, endomorph, ectomorph) sollten berücksichtigt werden
  • es wurde nur in Ruhe gemessen – keine Erschöpfung
  • Punktuelle Messung – Langzeitmessung fehlt (z.B. wie sieht es nach 15 Min. messen aus?)
  • kein Warm-Up – dies könnte auch den BP und HRV beeinflussen
  • Thermaleffekt des Neos am Land nicht berücksichtigt

Herausforderungen für weitere Untersuchungen: bei Langzeituntersuchungen könnte sich das Gewicht des Athleten während einer Saison verändern. Der Athlet könnte vor dem Start vermehrt hydrieren und mehr wiegen (größeres Volumen) und der Neo ist dann zeitweise zu klein.

Kurz gesagt: Wenn männliche Athleten einen zu kleinen bzw. viel engeren als vorgesehenen Neo (SWS) anziehen, steigt in Ruhe die MAP und es verringert sich das LF/HF Verhältnis im Vergleich zu NWS. Ein Anstieg des MAP führt automatisch auch zu einem Anstieg des SBP. Beim HRV sollte man mit der Interpretation etwas vorsichtiger sein, da es generell auch eine Veränderung zwischen den Haltungspositionen (liegen, sitzen, stehen) gibt.


Autor: A. Prado, J. Dufek, J. Navalta, N. Lough, J. Mercer
Titel: A first look into the influence of triathlon wetsuit on resting blood pressure and heart rate variability
Erscheinung: Biology of Sports (2017); Vol. 34 No1, 77-82, 2017